Hartz-IV Hamster
15. Mai 2008 von Spiegelfechter - Drucken
Nachdem Wirtschaftsminister Glos jüngster Vorschlag, die Zwangsarbeit wieder einzuführen, auf große Zustimmung stieß, stellten heute Glos und sein innig verbundener Kollege aus dem Umweltressort Sigmar Gabriel ein bahnbrechendes Konzept vor, mit dem die Regierung einerseits den Endsieg über die Arbeitslosigkeit besiegeln will, um Deutschland immerwährende Vollbeschäftigung zu bringen, und gleichzeitig Deutschlands Energiepolitik nachhaltig revolutionieren wird. Das Konzept trägt den eher sperrigen Namen „Human Assignment Manifesto for Sustainable Transformation of Energy Resources“ – kurz HAMSTER – und wurde von der Bertelsmann-Stiftung entwickelt.
Forschungsgrundlage war die thermodynamische Energieverwertung des menschlichen Organismus. Ein untätiger Mensch nimmt immerhin rund 2.000 kcal pro Tag zu sich – thermodynamisch umgewandelt sind dies immerhin 3 kWh, addiert man die elektrische Energie hinzu, die der untätige Mensch durch das Anschauen des Fernsehprogramms oder das Hören zu lauter Musik vergeudet, kommt man auf einen beträchtlichen Wert. In Zeiten des globalen Klimawandels, der Verteuerung von Energie und der sinkenden Energiesicherheit ist diese Verschwendung – so die HAMSTER-Forscher – kaum mehr vor unseren Kindern zu rechtfertigen. Untätige Sozialschmarotzer verschwenden jeden Tag gigantische Mengen an Energie und sind damit direkt für den Klimawandel und die damit verbundenen Todesopfer verantwortlich. Der Ansatz, sie zu gemeinnütziger Arbeit heranzuziehen, sei deshalb nicht nur vertretbar, sondern sogar dringlich geboten, will man etwas für die Umwelt tun.
Gemeinsamer Vorteil aller bisher erprobten „gemeinnützigen Arbeitseinsätze“ sei es, die teils verlotterten Subjekte an einen regelmäßigen Tagesablauf zu gewöhnen (4.30 Wecken), sie an die frische Luft zu bringen und so von den Giften des subproletarischen Alltages, wie Bier und Fernsehen, zu entwöhnen. Durch die körperliche Arbeit sinke auch das Übergewicht und damit das Risiko vorzeitig aus dem Leben zu scheiden – man wolle den Menschen doch nur Gutes tun, so ein Forscher. Da es in Deutschland rund 5. Mio dieser Klimasünder gibt, scheiden altbekannte Beschäftigungsmaßnamen aus. Erste Pilotprojekte im Spessart, in denen Langzeitarbeitlose Wälder und Wiesen rein halten sollten, wurden schnell eingestellt, da das Heer der Beschäftigungslosen einen negativen Effekt auf die Flora und Fauna des Spessarts hatte. „Die trampelten hier alles nieder – was sollten fünfzig Arbeitslose pro Hektar denn auch den ganzen Tag aufsammeln“, so ein ansässiger Förster, der gegen das Pilotprojekt klagte.
Diese Zeiten sind dank HAMSTER nun endgültig vorbei. Gestern präsentierten die Forscher eine neue Generation von humankinetischen Kleinkraftwerken, die in Zukunft die Atomkraft ablösen sollen. Die so genannten „HAMSTER-Räder“ werden von speziell dafür geschulten nicht vermittlungsfähigen oder –willigen Arbeitslosen bedient und dienen der Förderung elektrischer Energie aus dem ansonsten ungenutzten Energiereservoir, das sich die Arbeitslosen durch Nahrung, deren Energie sie vor dem Fernseher nur verschwenden würden, anlegen. Diese Form der Bioenergieerzeugung ist in der Tat revolutionär und könnte der Einstieg in ein neues Zeitalter sein, das das Ölzeitalter ablöst. Weiterentwicklungen, wie die „HAMSTER-Eimerkette“, mit deren Hilfe Speicherkraftwerke an Talsperren effektiv betrieben werden können und selbst der Einsatz von „Tret-HAMSTER-getriebenen“ Automobilen, stehen bereits kurz vor der Fertigstellung.
Kritik an diesem Modell kommt erwartungsgemäß von den GRÜNEN, die bemängeln, dass die HAMSTER-Räder einen hohen CO2-Ausstoss hätten und daher kaum als echte Alternative für eine nachhaltige Energieerzeugung gelten könnten. Auch GREENPEACE übte Kritik – die Nahrungsmittel, mit denen die humanoiden Energiezellen in den HAMSTER-Rädern angetrieben werden, würden einerseits unter größtem Einsatz nicht regenerativer Energien erzeugt und verdrängten andererseits wichtige Anbauflächen, auf der man Agrargüter für den Export in die Hunger leidende Dritte Welt produzieren könnte. Das HAMSTER-Konzept sei daher nicht nachhaltig. Ferner kritisierte man die Herangehensweise, mit der die ausgebrannten Human-Energiezellen der HAMSTER-Räder, entsorgt werden sollen, die so genannte Endlösung. Bislang sah das BMWi eine kalorische Verwertung vor – dies ist allerdings emissionsrechtlich umstritten und verstößt, laut Aussagen der GRÜNEN, gegen das Kyoto-Protokoll. Stoppen werden diese Bedenken das HAMSTER-Projekt aber nicht – zusammen mit den Kritikern hat man unlängst einen Arbeitskreis gegründet, der sich um die Verwertung der ausgebrannten Energiezellen kümmert. Das Konzept mit dem Namen „Soylent Green“, an dem schon fieberhaft gearbeitet wird, soll sich gerüchteweise auch auf die Probleme im Rentensystem anwenden lassen.
Jens Berger
Bildnachweis: Montagen 1 und 2: CC Spiegelfechter, mit Material von HackedGagets.com und Wikicommons. Montage 3: WDR
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Bei der CSU brechen im Vorwahlkampf die letzten Dämme von Anstand und Moral, während der politische Diskurs auf niederstes Stammtischniveau sinkt. Wirtschaftsminister Glos sorgte gestern mit einem Vorschlag für Furore, in dem er kundtut, wie er sich denn die von ihm ins Spiel gebrachte „Vollbeschäftigung“ so vorstellt. Laut Glos ist die Vollbeschäftigung relativ einfach zu erreichen – man steckt ganz einfach alle ALG-II Empfänger - flankiert von der Androhung der Bezugskürzung - in nicht bezahlte Jobs der öffentlichen Hand, schon sind sie aus der Arbeitslosenstatistik verschwunden. Früher nannte man so etwas einmal „Zwangsarbeit“, heute spricht man lieber von „Bürgerarbeit“; natürlich vermeidet man auch das unschöne Wort „Arbeitspflicht“ und spricht lieber von „Pflicht zur Mitgestaltung“. Aber auch diese neuen Euphemismen können nicht über den Charakter dieses Projektes wegtäuschen – es geht der CSU keinesfalls um Arbeitsmarktstimulanzien und auch weniger um Arbeitspflicht, sondern um einen weiteren radikalen Kahlschlag bei den Sozialleistungen und Leistungskürzungen im Niedriglohnbereich, während Glos zeitgleich „Leistungsträger“ mit Steuermitteln beschenken will. Dies ist nicht nur ungerecht, sondern auch eine niederträchtige Form des Wahlkampfes, die das Volk spaltet, anstatt es zu einen.

Was Glos mit bajuwarischer Stammtischrhetorik als „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ verkauft, geht also im Kern gar nicht gegen die untätigen ALG-II Bezieher, die in den meisten Fällen eh nicht zu Zwangsarbeit herangezogen werden können, da sie nicht arbeitsfähig sind. Es geht um eine gnadenlose Leistungskürzung im Niedriglohnbereich, die durch angedrohte Zwangsmaßnahmen flankiert wird. Der Minilohnempfänger, der dann zum Bezieher eines Einkommens wird, das laut Sozialgesetz die kleinstmögliche Summe ist, um nicht gegen die Menschenrechte zu verstoßen, kann sich dann aussuchen, entweder Briefe für die Pin-Group auszuteilen oder in staatliche Frondienste einzutreten – finanziell käme es aufs gleiche raus. Was ist eigentlich aus dem alten CSU-Slogan „Arbeit muß sich lohnen“ geworden?
Für viele im Westen ist Hossein Derakhshan ein Paradoxon. Der iranische Journalist, der im Jahr 2000 nach Kanada emigrierte, entwickelte im Jahre 2001 eine Methode, mit der Iraner auf Farsi bloggen können – heute gibt es 700.000 Blogs auf Farsi, von denen 10% auch aktiv geführt werden, eine Gegenöffentlichkeit zur oft gelenkten iranischen Medienlandschaft.



Die Deutsche Bahn und ihre Privatisierung - Großes Theater, eine Deutsche Tragödie in mehreren Akten. Mephistopheles Mehdorn, der Gesandte der Kraft, die vorgibt, stets das Gute zu wollen und doch stets Böses schafft, hat in Norbert Hansen seinen willfährigen Heinrich Faust gefunden. Der Faustische Pakt mit dem Arbeitnehmervertreter Hansen wurde bereits vor längerer Zeit besiegelt, Hansen diente Mephistopheles Mehdorn im Diesseits und gestern erhielt der treue Diener auch seinen verdienten Lohn für Jenseits - wie Kai aus der Kiste
Widerstand gegen Reallohnkürzungen und Entlassungen in seiner Gewerkschaft erstickte er im Keim und er brachte es fertig, seine Mannen zu paralysieren, sie auf “seine” Linie zu bringen und so dem Fatalismus zu frönen. Innerhalb der SPD vermochte er es immer wieder, die Kritik am Börsengang zu unterminieren. Auf dem Hamburger Parteitag im letzten Oktober war er der vehementeste Befürworter der Mehdornschen Börsenpläne. Er hatte allerdings nur wenig Erfolg - die alte Tante SPD besann sich in ihrer Agonie eines letzten Restanstandes und beschloss
Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor. Das Ansehen der Gewerkschaften ist bereits im freien Fall - wer sich zum Anwalt der Inhaber von Altverträgen aus den goldenen alten Zeiten der Bonner Republik macht und weder für outgesourcete “Billigarbeiter”, noch für Leiharbeiter und schon gar nicht für das Heer der Arbeitslosen und Minilohnempfänger eintritt, hat den Vertretungsanspruch für die Arbeitnehmerschaft als Ganzes bereits verloren. Wer in das TINA-Geschrei (there is no alternative) der Arbeitgeberseite einstimmt, verrät auch die Interessen der letzten Arbeitnehmer, die man noch zu vertreten vorgibt. In den Frühzeiten des Arbeitskampfes gab es die “christlichen Gewerkschaften”, die von den Arbeitgebern gefördert wurden, um den Arbeitskampf der “sozialistischen Gewerkschaften” zu untergraben. Die alten “sozialistischen Gewerkschaften” haben sich in die DGB-Gewerkschaften umgewandelt - Transnet gehört zu ihnen. Wer einer solchen Gewerkschaft die Stange hält, dem ist wohl nicht zu helfen. Leider ist damit die Idee der großen Gewerkschaften, die für die Interessen aller Arbeitnehmer eintreten und schlagkräftig sind, wohl endgültig gestorben. Schlagkräftigen Lobbygruppen von Arbeitnehmern, die in sensiblen Bereichen beschäftigt sind, scheint die Zukunft zu gehören - das ist schön für Ärzte, Piloten und Lokomotivführer, aber schlecht für Krankenschwestern, Sicherheits- und Reinigungskräfte. Wer keine Lobby hat, verliert - das alte Spiel in neuer Form.














